Rechtschreibfehler passieren allen – ob Schülerin, Berufseinsteiger oder erfahrene Autorin. Manche Fehler sind so verbreitet, dass sie in nahezu jedem unkorrigierten Text auftauchen. Die gute Nachricht: Es sind immer wieder dieselben Stolperstellen. Wer die häufigsten Fehler kennt, kann sie gezielt vermeiden.
Dieser Artikel führt die über 30 häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen auf, gegliedert nach Kategorien. Zu jedem Fehler finden Sie die korrekte Schreibweise, eine Erklärung und – wo möglich – eine Eselsbrücke. Wenn Sie Ihre Groß- und Kleinschreibung oder Getrennt- und Zusammenschreibung vertiefen möchten, finden Sie dort umfassende Guides.
Verwechslungspaare: dass/das, seid/seit und Co.
Die klassischen Verwechslungspaare sind die Könige unter den Rechtschreibfehlern. Sie sind so häufig, weil die Wörter gleich oder ähnlich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen und grammatische Funktionen haben.
dass vs. das
Der häufigste Rechtschreibfehler im Deutschen überhaupt. Die Verwechslung betrifft alle Altersgruppen und Textarten.
- das – Artikel oder Relativpronomen (kann durch dieses, jenes oder welches ersetzt werden)
- dass – Konjunktion (leitet einen Nebensatz ein, keine Ersetzung möglich)
Eselsbrücke: Können Sie das durch dieses, jenes oder welches ersetzen? Dann schreiben Sie das. Wenn nicht, schreiben Sie dass.
- ❌ Ich weiß, das er kommt.
- ✅ Ich weiß, dass er kommt. (Test: „Ich weiß, welches er kommt” – funktioniert nicht → dass)
- ✅ Das Buch, das auf dem Tisch liegt, ist meins. (Test: „Das Buch, welches auf dem Tisch liegt” – funktioniert → das)
seid vs. seit
- seid – Verb sein, 2. Person Plural: „Ihr seid müde.”
- seit – Präposition oder Konjunktion für Zeitangaben: „Seit gestern regnet es.”
Eselsbrücke: Seit mit t hat mit Teit (Zeit) zu tun. Seid mit d ist ein Verb und reimt sich auf „bleibt” (ihr bleibt, ihr seid).
- ❌ Seit ihr fertig?
- ✅ Seid ihr fertig?
- ❌ Seid drei Tagen bin ich krank.
- ✅ Seit drei Tagen bin ich krank.
wider vs. wieder
- wider – gegen, entgegen: widersprechen, der Widerspruch, widerwillig
- wieder – erneut, noch einmal: wiederholen, wiederkommen, wiedersehen
Eselsbrücke: Wider = dagegen (kurzes i). Wieder = noch einmal (langes ie = „wie-der”).
- ❌ Das wiederspricht meiner Meinung.
- ✅ Das widerspricht meiner Meinung.
- ❌ Können Sie das bitte widerholen?
- ✅ Können Sie das bitte wiederholen?
Ausnahme: widerspiegeln wird mit wider geschrieben, obwohl man „wieder” hört. Es bedeutet „zurückspiegeln”, nicht „erneut spiegeln”.
als vs. wie
- als – bei Ungleichheit (Komparativ): „Er ist größer als ich.”
-
wie – bei Gleichheit: „Er ist so groß wie ich.”
-
❌ Er ist größer wie ich.
- ✅ Er ist größer als ich.
- ❌ Sie ist genauso alt als ihre Schwester.
- ✅ Sie ist genauso alt wie ihre Schwester.
anscheinend vs. scheinbar
- anscheinend – wahrscheinlich, dem Anschein nach (es ist vermutlich so)
-
scheinbar – nur zum Schein, in Wirklichkeit nicht so
-
✅ Er ist anscheinend krank. (= Er ist wohl krank.)
- ✅ Er ist scheinbar ruhig. (= Er wirkt ruhig, ist es aber nicht.)
Groß- und Kleinschreibung: Die häufigsten Fehler
Die Groß- und Kleinschreibung ist eine Besonderheit des Deutschen. In kaum einer anderen Sprache wird sie so konsequent durchgesetzt – und so häufig verletzt.
Nominalisierte Verben und Adjektive
Verben und Adjektive werden großgeschrieben, wenn sie als Substantive verwendet werden. Das erkennen Sie an vorangestellten Artikeln, Pronomen oder Adjektiven:
- ❌ Ich mag das lesen.
- ✅ Ich mag das Lesen.
- ❌ Sie hat nichts neues erzählt.
- ✅ Sie hat nichts Neues erzählt.
- ❌ Er hat sein bestes gegeben.
- ✅ Er hat sein Bestes gegeben.
Feste Wendungen und Tageszeiten
- ❌ heute morgen, gestern abend
- ✅ heute Morgen, gestern Abend
- Aber: ❌ morgens, Abends → ✅ morgens, abends (Adverbien = klein)
Anredepronomen in Briefen
In Briefen und E-Mails werden die Anredepronomen Sie, Ihr, Ihnen immer großgeschrieben. Du und Ihr (vertraute Anrede) dürfen seit der Rechtschreibreform kleingeschrieben werden, Großschreibung ist jedoch weiterhin empfohlen:
- ✅ Haben Sie meinen Brief erhalten?
- ✅ Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.
- ✅ Lieber Max, ich danke dir / Dir für deine / Deine Hilfe.
Einen umfassenden Guide zu allen Regeln der Groß- und Kleinschreibung finden Sie in unserem separaten Artikel.
Getrennt- und Zusammenschreibung: Die klassischen Fallen
Die Getrennt- und Zusammenschreibung wurde mit der Rechtschreibreform mehrfach geändert, was die Unsicherheit zusätzlich verstärkt hat. Hier die häufigsten Fehler:
Verb-Kombinationen
- ❌ kennenzulernen → ✅ kennen zu lernen oder kennenzulernen (beides korrekt!)
- ❌ radfahren → ✅ Rad fahren (Nomen + Verb = getrennt)
- ❌ Maschiene schreiben → ✅ Maschine schreiben (plus korrekte Schreibung von Maschine)
- ❌ spazierengehen → ✅ spazieren gehen
Zusammensetzungen mit Adjektiven
- ❌ schwer verständlich → ✅ schwer verständlich (getrennt, wenn steigerbar: schwerer verständlich)
- ❌ freudestrahlend → ✅ freudestrahlend** (zusammen, da Nomen + Partizip)
- ❌ hoch begabt → ✅ hochbegabt (zusammen, da nicht steigerbar: nicht höher begabt)
Zusammen oder getrennt? Die Faustregel
Prüfen Sie, ob das erste Wort steigerbar oder erweiterbar ist:
- Steigerbar → getrennt: „Er war schwer verletzt” (schwerer verletzt)
- Nicht steigerbar → zusammen: „Das Kind ist hochbegabt” (nicht: höher begabt)
Einen vollständigen Guide finden Sie in unserem Artikel zur Getrennt- und Zusammenschreibung.
Fremdwörter und Anglizismen: Die Tücken der Herkunft
Fremdwörter und Anglizismen gehören zu den fehleranfälligsten Wortgruppen. Sie werden oft nach den Lautregeln der Herkunftssprache geschrieben, was im Deutschen zu Unsicherheit führt.
Häufig falsch geschriebene Fremdwörter
| Falsch | Richtig | Erklärung |
|---|---|---|
| Addresse | Adresse | Nur ein d |
| Agression | Aggression | Doppel-g |
| Akkustik | Akustik | Nur ein k |
| Aparat | Apparat | Doppel-p |
| Brilliant | brillant | Ohne zweites l, mit a |
| Desweiteren | des Weiteren | Getrennt und groß |
| Dilletant | Dilettant | Doppel-t, ein l |
| Enttäuschung | Enttäuschung | Korrekt mit Doppel-t |
| Gallerie | Galerie | Nur ein l |
| Interesse | Interesse | Korrekt – aber oft als Intresse falsch |
| Karrosserie | Karosserie | Ein r, ein s in der Mitte |
| Lybien | Libyen | i statt y, y statt i |
| Orginal | Original | Nicht das i vergessen |
| Paralell | parallel | Doppel-l am Ende |
| Rythmus | Rhythmus | h nach dem R, h vor dem m |
| Slyvesternacht | Silvesternacht | i statt y, ein l |
| Standartwert | Standardwert | d am Ende von Standard |
| Sympatisch | sympathisch | th in der Mitte, h am Ende |
| Terasse | Terrasse | Doppel-r |
| Tolleranz | Toleranz | Ein l |
| Vorraussetzung | Voraussetzung | Nur ein r |
Anglizismen: Deutsche Schreibweise
Viele englische Wörter werden im Deutschen anders geschrieben als erwartet:
| Falsch | Richtig | Anmerkung |
|---|---|---|
| Handy | Handy | Korrekt, aber kein englisches Wort in dieser Bedeutung |
| Bindestrich + Großschreibung von Mail | ||
| Standart | Standard | Auch im Englischen mit d |
| Portemonnaie | Portemonnaie | Korrekt – oder eingedeutscht: Portmonee |
| Majonäse | Mayonnaise | Oder eingedeutscht: Majonäse (beides korrekt) |
Grammatikfehler, die wie Rechtschreibfehler aussehen
Manche Fehler werden als Rechtschreibfehler wahrgenommen, sind aber grammatischer Natur. Sie betreffen die Flexion (Beugung) von Wörtern.
Der Genitiv-Apostroph
Im Deutschen steht kein Apostroph beim Genitiv – anders als im Englischen:
- ❌ Peter’s Auto
- ✅ Peters Auto
- ❌ Andrea’s Geburtstag
- ✅ Andreas Geburtstag
Ausnahme: Bei Namen, die auf s, ss, ß, tz, z, x oder ce enden, steht ein Apostroph:
- ✅ Hans’ Auto (nicht: Hanses Auto, nicht: Hans Auto)
- ✅ Felix’ Meinung
Dativ-e: „Dem Manne”
Das Dativ-e ist veraltet, taucht aber in festen Wendungen auf:
- ✅ im Grunde (nicht: im Grund)
- ✅ im Sinne des Gesetzes
- ✅ zu Hause (oder: zuhause)
- ✅ nach Hause (oder: nachhause)
Der/die/das + Anglizismus
Für Anglizismen gibt es oft keinen festen Artikel. Häufig strittig:
- das Blog oder der Blog (beides korrekt, das ist häufiger)
- die E-Mail (im Deutschen feminin, im Süddeutschen auch das E-Mail)
- der Laptop (maskulin)
- die App (feminin)
Kommasetzung: Die häufigsten Fehler
Kommafehler sind streng genommen Zeichensetzungsfehler, werden aber oft unter „Rechtschreibfehler” subsumiert. Die fünf häufigsten:
- Fehlendes Komma vor dass: „Ich glaube das er kommt” → „Ich glaube, dass er kommt.”
- Kein Komma bei um zu: „Er ging um einzukaufen” → „Er ging, um einzukaufen.”
- Überflüssiges Komma vor und: „Äpfel, Birnen, und Bananen” → „Äpfel, Birnen und Bananen.”
- Fehlendes Komma vor aber: „Er ist nett aber streng” → „Er ist nett, aber streng.”
- Fehlendes schließendes Komma: „Das Buch, das ich las war gut” → „Das Buch, das ich las, war gut.”
Einen vollständigen Guide zur Kommasetzung finden Sie in unserem Artikel über alle Kommaregeln im Deutschen.
Wie Sie typische Fehler systematisch vermeiden
1. Die persönliche Fehlerliste
Führen Sie eine Liste Ihrer persönlichen Problemwörter. Jeder Mensch hat seine typischen Schwachstellen – bei manchen ist es das/dass, bei anderen die Getrennt- und Zusammenschreibung. Wenn Sie Ihre wiederkehrenden Fehler kennen, können Sie gezielt darauf achten.
2. Eselsbrücken nutzen
Eselsbrücken funktionieren, weil sie abstrakte Regeln an konkrete, einprägsame Bilder oder Sätze knüpfen:
- dass/das: „Wenn du dieses, jenes, welches sagen kannst, nimm das.”
- seid/seit: „Seit hat mit Zeit zu tun – beides mit t.”
- wider/wieder: „Wider ist dagegen, wieder ist nochmal.”
- Standard: „Am Ende steht ein d, nicht ein t.”
- Rhythmus: „R-h-y-t-h-m-u-s – zwei h, kein i.”
3. Korrekturlesen mit System
Lesen Sie nicht auf alle Fehler gleichzeitig. Machen Sie mehrere Durchgänge mit unterschiedlichem Fokus:
- Durchgang 1: Rechtschreibung (Verwechslungspaare, Fremdwörter)
- Durchgang 2: Kommasetzung
- Durchgang 3: Groß-/Kleinschreibung und Getrennt-/Zusammenschreibung
Mehr Techniken finden Sie in unserem Artikel Korrekturlesen lernen.
4. Tools intelligent einsetzen
Moderne Grammatiktools erkennen viele der hier aufgeführten Fehler automatisch. Nutzen Sie sie als erste Prüfinstanz, aber verlassen Sie sich nicht ausschließlich darauf. Besonders bei Getrennt- und Zusammenschreibung sowie bei Fremdwörtern sind Tools noch nicht fehlerfrei.
Fazit: Fehler kennen heißt Fehler vermeiden
Die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen sind erstaunlich stabil – es sind seit Jahrzehnten dieselben Stolperstellen, die immer wieder auftauchen. Dass/das, seid/seit, falsch geschriebene Fremdwörter und Unsicherheiten bei der Groß-/Kleinschreibung dominieren die Fehlerlisten.
Das ist zugleich die gute Nachricht: Wenn Sie die 30 häufigsten Fehler kennen und gezielt an Ihren persönlichen Schwachstellen arbeiten, verbessern Sie Ihre Texte erheblich. Nutzen Sie Eselsbrücken, führen Sie eine persönliche Fehlerliste und setzen Sie digitale Tools als Sicherheitsnetz ein. So wird aus unsicherer Rechtschreibung eine solide Grundlage für klare, professionelle Texte.