Brauche ich ein Lektorat oder ein Korrektorat? Diese Frage stellen sich Autorinnen und Autoren, Studierende und Unternehmen gleichermaßen, und die Antwort ist nicht immer offensichtlich. Die beiden Begriffe werden im Alltag häufig verwechselt oder synonym verwendet, obwohl sie grundlegend verschiedene Leistungen beschreiben.
Diese Seite klärt den Unterschied vollständig: was genau ein Korrektorat umfasst, was ein Lektorat leistet, wie sich das stilistische Lektorat von der reinen Fehlerkorrektur abgrenzt, was beide Leistungen kosten und wann du welche brauchst.
Die Kernunterschiede auf einen Blick
Bevor wir ins Detail gehen, hier der fundamentale Unterschied in einem Satz:
Ein Korrektorat beseitigt Fehler. Ein Lektorat verbessert den Text.
Das Korrektorat arbeitet auf der formalen Ebene: Es prüft, ob die Regeln der deutschen Sprache eingehalten werden. Das Lektorat arbeitet auf der inhaltlichen und stilistischen Ebene: Es fragt, ob der Text gut, klar und wirkungsvoll geschrieben ist.
Vergleichstabelle: Lektorat vs. Korrektorat
| Kriterium | Korrektorat | Lektorat |
|---|---|---|
| Rechtschreibung | Ja | Ja (im Rahmen der Gesamtbearbeitung) |
| Grammatik | Ja | Ja |
| Zeichensetzung | Ja | Ja |
| Typografie | Ja | Teilweise |
| Stil & Ausdruck | Nein | Ja |
| Wortwahl | Nein | Ja |
| Satzstrukturen | Nein | Ja (Umformulierungen) |
| Lesefluss | Nein | Ja |
| Inhaltliche Logik | Nein | Ja |
| Struktur / Aufbau | Nein | Ja (je nach Lektoratstiefe) |
| Dramaturgie | Nein | Ja (Entwicklungslektorat) |
| Eingrifftiefe | Korrektur | Umformulierung, Streichung, Ergänzung |
| Preis pro Normseite | 2,50 – 5,00 € | 5,00 – 9,00 € |
| Bearbeitungszeit | 1 – 3 Wochen | 2 – 6 Wochen |
| Reihenfolge | Nach dem Lektorat | Vor dem Korrektorat |
Was ist ein Korrektorat?
Ein Korrektorat (auch Korrekturlesen, Schlusskorrektur oder Endkorrektur genannt) ist die systematische Prüfung eines Textes auf formale Fehler. Der Korrektor liest den Text Wort für Wort und prüft ihn gegen die geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik. In Stil, Aufbau oder Inhalt greift er nicht ein.
Die vier Prüfbereiche des Korrektorats
- Rechtschreibung: Tippfehler und Buchstabendreher, knifflige Fälle wie Getrennt- und Zusammenschreibung oder Groß- und Kleinschreibung sowie Einheitlichkeit bei erlaubten Varianten (durchgängig sodass oder so dass, nicht gemischt).
- Grammatik: Kongruenz (das Team hat, nicht haben), korrekter Kasus (wegen des Wetters), konsistente Zeitformen und klare Pronomen-Bezüge.
- Zeichensetzung: Kommasetzung nach den amtlichen Regeln, Semikolon, Doppelpunkt, Gedankenstrich, Anführungszeichen und Auslassungspunkte.
- Typografie: deutsche Anführungszeichen („…“ statt "…"), Bindestrich vs. Gedankenstrich, geschützte Leerzeichen (z. B., 15 %) sowie konsistente Zahlen- und Datumsformate.
Konkretes Beispiel für Korrektoratseingriffe
Vorher: Er hatte schon seit dem er klein war davon geträumt ein Buch zu schreiben. Nun war es endlich soweit und er konnte es kaum abwarten.
Nach dem Korrektorat: Er hatte schon, seitdem er klein war, davon geträumt, ein Buch zu schreiben. Nun war es endlich so weit und er konnte es kaum erwarten.
Der Korrektor korrigiert:
- seit dem → seitdem (Zusammenschreibung der Konjunktion)
- Kommas um den eingeschobenen Nebensatz seitdem er klein war
- Komma vor der angekündigten Infinitivgruppe ein Buch zu schreiben
- soweit → so weit (in der Wendung es ist so weit)
- abwarten → erwarten (falsche Wortwahl, ein Grenzfall zum Lektorat)
Was der Korrektor nicht tut: den Satz umformulieren, die Wortstellung verbessern oder alternative Ausdrücke vorschlagen.
Was ein Korrektorat nicht umfasst
Ebenso wichtig wie die Definition ist die klare Abgrenzung. Ein Korrektorat greift nicht ein bei:
- Stil: Wortwiederholungen, umständliche Formulierungen, Passivkonstruktionen
- Struktur: Kapitelaufbau, roter Faden, Argumentationslogik
- Inhalt: sachliche Richtigkeit, Widersprüche, Figurenkonsistenz
- Lesbarkeit: Satzlänge, Lesefluss, Verständlichkeit
- Ausdruck: Wortwahl, Bildsprache, Tonfall
Für all diese Aspekte brauchst du ein Lektorat.
Warum die automatische Rechtschreibprüfung nicht reicht
Die Rechtschreibprüfung in Word oder Google Docs fängt offensichtliche Tippfehler ab, übersieht aber genau die Fehler, die in der Praxis am häufigsten vorkommen: Homophone wie das/dass und seit/seid, einen großen Teil der Kommafehler und praktisch alle Konsistenzfehler, etwa wenn ein Text zwischen zwei erlaubten Schreibvarianten wechselt. Erfahrene Korrektoren nennen als häufigste Funde: Kommasetzung, das/dass-Verwechslung, Getrennt- und Zusammenschreibung, inkonsistente Schreibweisen und falsche Anführungszeichen.
Wenn du möglichst viele Fehler selbst finden willst, helfen dir unser kostenloser Kommaprüfer und der Artikel Korrekturlesen lernen: bewährte Techniken.
Was ist ein Lektorat?
Ein Lektorat geht deutlich weiter. Der Lektor prüft den Text auf allen Ebenen und greift aktiv in Stil, Ausdruck und, je nach Lektoratstiefe, auch in Struktur und Inhalt ein. Das Ziel ist nicht nur ein fehlerfreier, sondern ein guter Text: klar, lebendig und wirkungsvoll.
Konkretes Beispiel für Lektoratseingriffe
Vorher: Die Sonne schien hell und warm vom Himmel herab auf die grüne Wiese, die sich weit und breit erstreckte, und die Vögel sangen fröhlich in den Bäumen, die am Rande der Wiese standen und deren Blätter im Wind wehten.
Nach dem Lektorat: Sonnenlicht flutete die Wiese. In den Bäumen am Rand sangen Vögel, und ein warmer Wind spielte mit dem Laub.
Der Lektor hat:
- den 42-Wörter-Schachtelsatz in zwei kurze, lebendige Sätze aufgelöst
- überflüssige Adjektive gestrichen (hell, grün, weit und breit, fröhlich)
- aktivere Verben gewählt (flutete, spielte statt schien, erstreckte, wehten)
- die Szenerie verdichtet, ohne Information zu verlieren
Wie stark ein Lektor in Ton und Wortwahl eingreift, hängt übrigens auch vom Genre ab: Wenn du einen Liebesroman lektorieren lassen möchtest, stehen Emotion, Tonalität und Tropes im Mittelpunkt. Ein gutes Romance-Lektorat glättet nicht nur Sätze, sondern schützt die Gefühlsebene deiner Geschichte.
Lektoratstiefe: vier Stufen
Nicht jedes Lektorat ist gleich tief. In der Praxis haben sich vier Stufen etabliert:
- Stilistisches Lektorat: sprachliche Überarbeitung. Wortwiederholungen, Füllwörter, Satzbau, Lesefluss. Keine inhaltlichen Eingriffe.
- Inhaltliches Lektorat: zusätzlich Logik, Konsistenz, Faktenprüfung und Argumentationsstruktur.
- Strukturlektorat: zusätzlich Kapitelaufbau, roter Faden, Pacing und Spannungsbogen.
- Entwicklungslektorat: die tiefste Form, inklusive Dramaturgie, Figurenentwicklung und grundlegender Umstrukturierung. Oft verbunden mit einem ausführlichen Gutachten.
Gerade beim Struktur- und Entwicklungslektorat zeigt sich, wie genrespezifisch diese Arbeit ist: Willst du einen Krimi oder Thriller lektorieren lassen, prüft das Lektorat zusätzlich Plot-Logik, faire Spuren für den Leser und das Pacing bis zur Auflösung.
Stilistisches Lektorat vs. Korrektorat: die Abgrenzung im Detail
Die am häufigsten gebuchte Lektoratsform ist das stilistische Lektorat, und genau hier entsteht die meiste Verwechslung mit dem Korrektorat. Die Abgrenzung in einem Satz: Das Korrektorat fragt, ob ein Satz korrekt ist. Das stilistische Lektorat fragt, ob er gut ist.
Das stilistische Lektorat arbeitet auf vier Ebenen:
- Lesbarkeit: verschachtelte Sätze vereinfachen, Bandwurmkonstruktionen auflösen, angemessene Satzlängen herstellen. Aus „Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Berücksichtigung der oben genannten Aspekte von nicht unerheblicher Bedeutung sein dürfte“ wird „Die genannten Aspekte sind entscheidend.“
- Wortwahl: Wortwiederholungen auflösen, Füllwörter streichen, unnötige Fremdwörter ersetzen, Nominalstil in Verbalstil verwandeln (die Durchführung der Überprüfung → überprüfen).
- Textfluss und Kohärenz: Absätze und Kapitel bauen logisch aufeinander auf, fehlende Übergänge werden ergänzt, Gedankensprünge markiert.
- Konsistenz: einheitliche Schreibweisen, Fachbegriffe, Ton und Perspektive im gesamten Text.
Derselbe Satz, zwei Bearbeitungen
Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn beide Leistungen denselben Satz bearbeiten:
Die von uns durchgeführte Analyse der erhobenen Daten hat gezeigt, das es in diesem Bereich durchaus noch erhebliches Verbesserungspotenzial gibt, wobei man auch sagen muss, dass die bisherigen Ergebnisse nicht ganz schlecht waren.
Das Korrektorat findet einen Fehler: das statt dass nach gezeigt. Alles andere bleibt stehen, denn der Satz ist grammatisch korrekt.
Das stilistische Lektorat korrigiert denselben Fehler und überarbeitet zusätzlich den gesamten Satz:
Die Analyse zeigt erhebliches Verbesserungspotenzial, auch wenn die bisherigen Ergebnisse solide waren.
Dieselbe Information in der Hälfte der Wörter, aktiv formuliert und klar strukturiert. Genau das ist der Mehrwert eines Lektorats gegenüber dem Korrektorat.
Wann brauchst du welche Leistung?
Die Entscheidung zwischen Lektorat und Korrektorat hängt von drei Faktoren ab: dem Zustand deines Textes, deinem Budget und dem Verwendungszweck.
Nur Korrektorat reicht, wenn…
- dein Text bereits von einem erfahrenen Autor oder einem professionellen Texter stammt
- du den Text mehrfach überarbeitet hast, etwa mit einem gründlichen Selbstlektorat, und mit Stil und Struktur zufrieden bist
- Testleser dir bestätigt haben, dass Inhalt und Darstellung stimmen
- du nur sicherstellen willst, dass keine formalen Fehler übrig geblieben sind
- dein Budget begrenzt ist und der Text inhaltlich bereits überzeugt
Typische Anwendungsfälle: fertig überarbeitete Romane, finale Versionen wissenschaftlicher Arbeiten, bereits redigierte Unternehmenstexte.
Ein Lektorat ist nötig, wenn…
- es sich um einen Erstentwurf oder frühen Überarbeitungsstand handelt
- du als Debütautor unsicher bist, ob Stil und Struktur funktionieren
- Testleser inhaltliche oder stilistische Kritik geäußert haben
- der Text fachlich komplex ist und klarer formuliert werden muss
- du veröffentlichen willst, egal ob im Verlag oder im Selfpublishing
- du das Gefühl hast, dass „irgendetwas nicht stimmt“, es aber nicht benennen kannst
Typische Anwendungsfälle: Manuskripte vor der Veröffentlichung, Sachbücher im Entstehungsprozess, Unternehmenstexte mit hohem Qualitätsanspruch.
Beides ist ideal, wenn…
- du einen Roman, ein Sachbuch oder eine Dissertation veröffentlichen möchtest
- dir maximale Textqualität wichtig ist
- dein Budget es zulässt
Die professionelle Reihenfolge ist immer: erst Lektorat, dann Korrektorat. Das Lektorat verändert den Text, dabei entstehen unweigerlich neue Tippfehler und Kommafehler. Das Korrektorat beseitigt diese in einem letzten Durchgang.
Bist du danach noch unsicher, ist ein Probelektorat der beste nächste Schritt: Fünf bis zehn Seiten zeigen dir, wie viel Verbesserungspotenzial ein Lektorat in deinem Text tatsächlich freilegt. Vorher lohnt sich ein Blick in unsere Checkliste zum Überarbeiten deines Manuskripts.
Entscheidungshilfe: der Schnell-Check
Beantworte fünf Fragen, um die richtige Leistung für deinen Text zu finden:
| Frage | Ja | Nein |
|---|---|---|
| 1. Bist du mit dem Stil deines Textes zufrieden? | Korrektorat reicht | Lektorat empfohlen |
| 2. Haben Testleser inhaltliche oder strukturelle Kritik geäußert? | Lektorat empfohlen | Korrektorat kann reichen |
| 3. Ist es dein erster längerer Text? | Lektorat dringend empfohlen | abhängig von den anderen Antworten |
| 4. Wird der Text veröffentlicht (Print, Online, akademisch)? | mindestens Korrektorat, idealerweise beides | Korrektorat optional |
| 5. Hast du den Text bereits mehrfach gründlich überarbeitet? | Korrektorat reicht möglicherweise | Lektorat empfohlen |
Ergebnis: Landest du bei zwei oder mehr Fragen auf „Lektorat empfohlen“, investiere in ein professionelles Lektorat.
Der Preisvergleich: Was kosten Lektorat und Korrektorat?
Die Preise unterscheiden sich erheblich, weil der Aufwand beim Lektorat deutlich höher ist: Ein Korrektor prüft gegen feste Regeln, ein Lektor wägt jeden Satz einzeln auf Lesbarkeit, Wortwahl und Wirkung ab. Abgerechnet wird meist pro Normseite (je nach Definition 1.500 bis 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen). Die folgenden Spannen sind marktübliche Richtwerte, Stand 2026:
| Leistung | Preis pro Normseite | Roman (300 NS) | Sachbuch (200 NS) | Masterarbeit (80 NS) |
|---|---|---|---|---|
| Korrektorat | 2,50 – 5,00 € | 750 – 1.500 € | 500 – 1.000 € | 200 – 400 € |
| Einfaches Lektorat | 5,00 – 7,00 € | 1.500 – 2.100 € | 1.000 – 1.400 € | 400 – 560 € |
| Umfassendes Lektorat | 7,00 – 9,00 € | 2.100 – 2.700 € | 1.400 – 1.800 € | 560 – 720 € |
| Lektorat + Korrektorat | 8,50 – 13,00 € | 2.550 – 3.900 € | 1.700 – 2.600 € | 680 – 1.040 € |
Ausführliche Informationen zu den Kosten findest du in unseren spezialisierten Artikeln Was kostet ein Lektorat? Preise 2026 und Was kostet ein Korrektorat? Preise 2026. Deine konkreten Kosten kalkulierst du in zwei Minuten mit dem Lektorat-Kostenrechner. Eine Übersicht professioneller Anbieter liefert unser Lektorat-Anbieter-Vergleich.
Die KI-Alternative: Lektorat und Korrektorat zum Bruchteil der Kosten
KI-gestützte Dienste wie Lektorat.ai liefern Korrektorat und stilistisches Lektorat in Minuten statt Wochen, mit Track Changes direkt im Word-Dokument. Lektorat.ai wurde auf echten Korrekturen professioneller Verlagslektoren trainiert; die ersten 2.500 Wörter sind kostenlos.
| Kriterium | Traditionelles Lektorat | KI-Lektorat |
|---|---|---|
| Kosten (Roman, 300 NS) | ca. 1.500 – 2.700 € | Bruchteil davon (Einstieg kostenlos) |
| Lieferzeit | 2 – 6 Wochen | Minuten |
| Korrektorat | Ja | Ja |
| Stilistisches Lektorat | Ja | Ja (trainiert auf Verlagsdaten) |
| Entwicklungslektorat | Ja | Eingeschränkt |
| Track Changes | Ja | Ja |
Der in der Praxis bewährte Workflow kombiniert beides: erst das KI-Lektorat für die Stilüberarbeitung und das KI-Korrektorat für die formale Fehlerkorrektur, danach bei Bedarf ein menschliches Lektorat für Dramaturgie und Entwicklungsberatung. Was die KI im Vergleich zum Menschen leistet und wo ihre Grenzen liegen, analysiert unser Vergleich KI-Lektorat vs. menschliches Lektorat.
Praxisbeispiele: Drei typische Szenarien
Szenario 1: Debütroman, Selfpublishing
Ausgangslage: Maria hat ihren ersten Roman geschrieben, 85.000 Wörter. Die Geschichte steht, aber sie ist unsicher, ob der Stil trägt und die Spannung durchhält. Testleser haben einige Längen in der Mitte bemängelt.
Empfehlung: Umfassendes Lektorat (Stil + Struktur) plus anschließendes Korrektorat. Gesamtkosten: ca. 3.000 – 3.800 €.
Alternative mit KI-Unterstützung: KI-Lektorat für die erste Stilüberarbeitung, gezieltes menschliches Lektorat für Dramaturgie und Figurenentwicklung, dann KI-Korrektorat. Gesamtkosten: ca. 1.500 – 2.200 €.
Szenario 2: Masterarbeit, Abgabetermin in 4 Wochen
Ausgangslage: Felix hat seine Masterarbeit fertig geschrieben. Inhalt und Struktur sind von seinem Betreuer abgesegnet. Er braucht nur noch eine sprachliche Endkontrolle.
Empfehlung: Korrektorat reicht aus. Kosten: ca. 280 – 400 € für 80 Normseiten.
Wichtig: Bei akademischen Arbeiten ist ein reines Korrektorat in der Regel erlaubt, ein inhaltliches Lektorat hingegen oft problematisch. Felix sollte die Prüfungsordnung seiner Hochschule prüfen. Was dabei im Detail gilt, erklärt unser Artikel zum Lektorat von Bachelor- und Masterarbeiten.
Szenario 3: Sachbuch für einen Verlag
Ausgangslage: Dr. Schmidt hat ein Sachbuch über Ernährungswissenschaft geschrieben, 200 Normseiten. Der Verlag erwartet ein druckfertiges Manuskript.
Empfehlung: Fachlektorat (Stil + inhaltliche Prüfung) plus Korrektorat. Der Verlag übernimmt in der Regel ein eigenes Lektorat, aber ein vorab lektoriertes Manuskript erhöht die Chancen auf Annahme.
Häufige Missverständnisse
„Ein Lektorat beinhaltet automatisch ein Korrektorat“
Nur teilweise richtig. Viele Lektoren korrigieren offensichtliche Fehler nebenbei mit, und ein gutes stilistisches Lektorat schließt einen Großteil der Fehlerkorrektur ein. Eine systematische Schlusskorrektur ersetzt das aber nicht: Da das Lektorat den Text verändert, entstehen dabei sogar neue Fehler. Deshalb kommt das Korrektorat immer nach dem Lektorat. Kläre vor der Beauftragung, ob die Schlusskorrektur im Angebot enthalten ist.
„Ein guter Autor braucht kein Lektorat“
Falsch. Selbst renommierte Bestsellerautoren werden vor jeder Veröffentlichung lektoriert; im Verlag ist das Lektorat fester Bestandteil des Erscheinungsprozesses. Ein Lektorat ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.
Bei Verlagsautoren übernimmt der Verlag diese Arbeit kostenlos. Als Selfpublisher beauftragst du das Lektorat dagegen selbst. Wer wann was bezahlt und für wen sich eine Hybrid-Strategie lohnt, klärt unser Vergleich Verlagslektorat vs. Fremdlektorat.
„Ein Lektorat verändert meine Stimme“
Falsch, sofern das Lektorat gut ist. Ein guter Lektor arbeitet mit deiner Stimme, nicht gegen sie: Er verstärkt, was funktioniert, und glättet, was stolpert. Wenn nach dem Lektorat ein völlig anderer Text zurückkommt, war es kein Lektorat, sondern Ghostwriting.
„KI macht Lektoren überflüssig“
Falsch, zumindest noch nicht. KI-basierte Tools leisten bereits hervorragende Arbeit bei Korrektorat und stilistischer Grundüberarbeitung. Für Entwicklungslektorat, dramaturgische Beratung und die Arbeit an der einzigartigen Stimme eines Autors sind menschliche Lektoren nach wie vor unverzichtbar.
„Korrektorat ist dasselbe wie Korrekturlesen“
Teilweise richtig. Korrekturlesen ist der umgangssprachliche Begriff für das professionelle Korrektorat. Allerdings kann „Korrekturlesen“ auch das Gegenlesen durch Freunde oder Testleser meinen, was qualitativ nicht mit einem professionellen Korrektorat vergleichbar ist.
Fazit: Nicht entweder-oder, sondern beides in der richtigen Reihenfolge
Die Frage „Lektorat oder Korrektorat?“ ist im Grunde falsch gestellt. Für jeden Text mit professionellem Anspruch lautet die Antwort: beides, in der richtigen Reihenfolge. Erst das Lektorat, das den Text auf inhaltlicher und stilistischer Ebene verbessert. Dann das Korrektorat, das die letzten formalen Fehler beseitigt.
Wenn dein Budget nur eine Leistung zulässt, wähle das Lektorat, solange du bei Stil und Struktur noch unsicher bist. Wähle das Korrektorat, wenn der Text inhaltlich steht und nur noch die formale Endkontrolle fehlt.
In jedem Fall gilt: Die Investition in professionelle Textarbeit zahlt sich aus. Kein Leser verzeiht einem Buch Tippfehler auf der ersten Seite, und kein Verlag nimmt ein Manuskript an, das nach Rohentwurf klingt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat?
Ein Korrektorat korrigiert formale Fehler: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Typografie. Ein Lektorat verbessert zusätzlich Stil, Wortwahl, Lesefluss, Struktur und inhaltliche Logik. Kurz gesagt: Das Korrektorat macht den Text fehlerfrei, das Lektorat macht ihn gut.
Was kostet ein Lektorat, was ein Korrektorat?
Marktüblich sind, Stand 2026, ca. 2,50 bis 5 € pro Normseite für ein Korrektorat und ca. 5 bis 9 € für ein Lektorat. Ein Roman mit 300 Normseiten kostet damit etwa 750 bis 1.500 € (Korrektorat) beziehungsweise 1.500 bis 2.700 € (Lektorat). KI-gestützte Dienste wie Lektorat.ai bieten beide Leistungen zu einem Bruchteil dieser Kosten an.
Kommt zuerst das Lektorat oder das Korrektorat?
Immer erst das Lektorat, dann das Korrektorat. Das Lektorat verändert den Text, dabei entstehen unweigerlich neue Tipp- und Kommafehler. Das Korrektorat beseitigt diese in einem letzten Durchgang vor der Veröffentlichung.
Brauche ich nach einem Lektorat noch ein separates Korrektorat?
In der Regel ja, zumindest als Schlusskorrektur. Viele Lektoren korrigieren offensichtliche Fehler mit, aber eine systematische Endkontrolle nach der Überarbeitung gehört nicht automatisch dazu. Kläre vor der Beauftragung, ob die Schlusskorrektur im Angebot enthalten ist.
Ist ein Korrektorat bei einer Abschlussarbeit erlaubt?
Ja. Die reine Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung ist an deutschen Hochschulen grundsätzlich erlaubt. Inhaltliche Eingriffe, wie sie ein Lektorat vornimmt, sind dagegen oft problematisch. Prüfe sicherheitshalber die Prüfungsordnung deiner Hochschule.
Wie lange dauern Lektorat und Korrektorat?
Bei menschlichen Dienstleistern dauert ein Korrektorat je nach Umfang ein bis drei Wochen, ein Lektorat zwei bis sechs Wochen. Ein KI-Lektorat oder KI-Korrektorat liefert das Ergebnis innerhalb von Minuten.
Kann eine KI ein Lektorat oder Korrektorat übernehmen?
Beim Korrektorat und beim stilistischen Lektorat liefern spezialisierte KI-Dienste, die auf echten Verlagskorrekturen trainiert wurden, sehr gute Ergebnisse mit Track Changes im Word-Dokument. Für Entwicklungslektorat, Dramaturgie und die Arbeit an der individuellen Autorenstimme bleibt ein menschlicher Lektor unverzichtbar.
Woran erkenne ich, ob ich ein Lektorat brauche?
Lass zwei bis drei Testleser deinen Text lesen. Enthält das Feedback Aussagen wie „schwer zu lesen“, „konnte nicht folgen“ oder „hat Längen“, brauchst du ein Lektorat. Bestätigen die Testleser Stil und Aufbau, reicht ein Korrektorat als formale Endkontrolle.